Rundgang Altstadt

sagneseKommt man aus dem Chiana-Tal oben in Montepulciano an, sieht man noch unterhalb der Stadtmauern zunächst zur Linken die Kirche Sant'Agnese (7). Die Heilige Agnes, gestorben 1317, ist die Schutzpatronin Montepulcianos. Innerhalb der erst 1926 erstellten Fassade befindet sich ein gotisches Portal. Das einschiffige Innere ist im 19. Jahrhundert restauriert worden und hat dabei eine Reihe von Veränderungen erlitten. Allerdings haben auch verschiedene ältere Werke überlebt, darunter das Grabmal der Heiligen Agnes.

Die Straße führt am Park Poggiofanti vorbei zum Stadttor "Porta al Prato", wo die Hauptstraße beginnt. Man erreicht einen kleinen Platz mit einer Säule, auf der der "Marzocco"-Löwe steht, Symbol der Herrschaft von Florenz, die 1511 die an die Stelle der Wölfin von Siena trat. palpratoDer Löwe ist ein Werk des Bildhauers Sarocchi aus dem Jahre 1856. Gegenüber der Säule steht der Avignonesi-Palast, der im 17. Jahrhundert entstanden ist und Vignola zugeschrieben wird. Die Architektur ist klar von der Spät-Renaissance geprägt. An einer anderen Seite des Platzes die barocke Kirche San Bernardo, Werk des Jesuitenpaters Andreas Pozzo. Gegenüber dem Avignonesi-Palast liegt der Tarugi-Palast, auch er ein Werk der Spät-Renaissance. Auf beiden Seiten des Corso findet man weitere Paläste mit reichhaltigen Renaiccance-Formen: den Palast Cocconi-Del Pecora, der von Antonia Sangallo dem Älteren erbaut wurde, und den Palast Bucelli, an dessen Vorderfront etruskische Urnen und Steine mit etruskischen Inschriften eingelassen sind.

So erreicht man dann die Kirche des Heiligen Augustinus (6), eines der schönsten und interessantesten Gebäude Montepulcianos. Die Vorderfront wurde 1427 von Michelozzo Michelozzi (1396-1472) geschaffen. Der Künstler, Mitstreiter Brunelleschis in der Archtektur und Donatellos in der Bildhauerei, hielt sich an die schlichten und eleganten Formen der Renaissance. 

sagostino

Das eingeschrägte Portal wird oben mit einer Lünette abgeschlossen, die in die zweite Ebene hineinreicht und durch zwei gotische Pfeiler bengrenzt wird. Rechts und links je zwei Nischen mit Rundbögen. Der Rest der Fassade ist vermutlich von einem späteren Architekten vervollständigt worden. Das Innere der Kirche wurde im 19. Jahrhundert erneuert, wobei die Originalformen verschwanden und barocken Werken wichen. Das Holzkreuz auf dem Hochaltar wird Donatello zugeschrieben.

Gegenüber der Kirche der Turm mit der charakteristischen Pulcinella-Figur aus dem 17. Jahrhundert, die jede volle Stunde die Glocke schlägt.

Weiter aufwärts auf der linken Seite der Palast Tarugi-Capelli, dessen Atrium mit Fresken von F. Zuccari ausgeschmückt ist.

Die Straße teilt sich an der dreibögigen Marktlaube. Wir gehen links weiter und sehen die Paläste Cervini, erbaut von Antonio Sangallo dem Älteren, den Palast Cagnoni, zugeschrieben Vignola, und den Seminar-Palast (heute Justizbehörde) mit der Jesuskirche (2), die nach Entwürfen von Adreas Pozzo im 18. Jahrhundert erbaut wurden. Die Fassade blieb unvollendet, das Innere ist schön und elegant.

smariaWir erreichen die Via del Poliziano; links im Eckhaus Nummer 1 wurde am 14. Juni 1454 Angnolo Poliziano geboren.

 Ein Stück weiter erreichen wir die Kirche Santa Maria dei Servi (1), die im 17. Jahrhundert erbaut wurde und ein schönes Portal besitzt. Das barocke Innere wurde von Andreas Pozzo gestaltet.

Gegenüber der Kirche geht die Straße hoch an der Festung vorbei und mündet an der Piazza Grande. Der Platz ist der ideale und majestätische Mittelpunkt der Stadt und vielleicht einer der schönsten kleinstädtischen Plätze überhaupt, umgeben von bedeutenden Gebäuden. Da ist zunächst der Dom (3) mit seiner unvollendeten und dennoch suggestiv wirkenden Fassade. Links der Turm, auch er unvollendet, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. An der Stelle des Doms stand ursprünglich eine Pfarrkirche, die aber klein und ärmlich wirkte, nachdem drumherum und in den Nebenstraßen prächtige Paläste entstanden waren. 1583 begann man mit dem Abriß der alten Sakristei, und nach vielen Diskussionen entschied man sich für einen Plan von Bartolomeo Ammannati, der 1588 fertig war. Aber man wartete einige Zeit mit dem Baubeginn, und darüber starb Ammannati. 1593 rief man aus Orvieto den Baumeister Ippolito Scalza. Er warf alle Pläne um und gestaltete sie neu. 1594 begannen endlich die Arbeiten. duomoErst 1680 war der Dom so weit fertig, daß er geweiht werden konnte. Die Fassade allerdings war immer noch nicht fertig und blieb unvollendet. In der Sakristei kann man an einem Modell sehen, wie sie aussehen sollte.

Das Innere besteht aus drei Schiffen, die durch auf Pfieler gestützte Bögen abgeteilt werden. Die Strukturen sind einfach und geräumig, nichts Dekoratives steht im Weg. Seitwärts öffnen sich die Kapellen. Der Hauptaltar ist ein großartiges Werk von Taddeo di Bartolo aus dem Jahre 1401. Der Seneser Maler, der von 1362 bis 1422 lebte, ist von der Schule Giottos in Padua und anderen Maler Norditaliens wie Giovanni da Milano und Barnaba da Modena beeinflußt worden. Es handelt sich um das reichhaltigste undberühmteste Werk di Taddeos. Das Tryptichon zeigt im Mittelteil die Himmelfahrt Mariens. Gegeliedert wird es durch vier Pfeiler mit den Bildnissen der Apostel. politticoNeben dem Altar stehen zwei Skulpturen von Michelozzo, die Stärke und Gerechtigkeit bzw. Wissen und Glauben symbolisieren. Rechts vom Hochaltar, angelehnt an einen Pfeiler, die Figur des Heiligen Bartholomäus. In der ersten Kapelle links dasTaufbecken und dahinter ein Altar von Andrea della Robbia.

Das Rathaus mit Mittelturm, entworfen von Michelozzo, erinnert mit seinen welfischen Zinnen an den Palazzo della Signoria in Florenz. Der Baubeginn reicht in das Jahr 1440 zurück. Das untere Geschoß ist mit unregelmäßigen Quadern errichtet, darin kleine rechteckige Fenster, während die oberen Stockwerke Rundbogenfenster haben. Vom Turm hat man bei klarem Wetter ein weiten Blick in alle Richtungen.

Auf der gegenüberliegenden Seite dann der Palazzo del Monte (heute Contucci). Er wurde, beginnend 1519 durch Antonio da Sangallo dem Älteren, für Kardinal Antonio Ciocchi Del Monte, den späteren Papst Julius III. gebaut. Der Kardinal ließ mehrere Gebäude abreißen, um Platz für seinen Palast zu bekommen.

Gegenüber dem Dom der Palazzo Nobil, heute Tarugi, der ebenfalls Antonio da Sangallo dem Älteren zugeschrieben wird. Die Loggia, heute zugemauert, folgt der Säulenordnung des unteren Teils. Die Fenster werden durch kurze Fensterbänke abgestützt und sind durch Rundgiebel überwölbt. Eindrucksvoll auch das Eingangsportal.

rathsDer Brunnen mit den beiden Löwen, die das mediceische Wappen halten, ist ebenso wie der am Pfarrhaus von San Biagio auf Sangallo zurückzuführen. Dahinter der Prätorenpalast, dessen Flanke an der Via Ricci aus dem 14. Jahrhundert stammt; damals war dies der Palast des Hauptmanns des Volkes.

In der Via Ricci dann links der Palazzo Ricci, ein Renaissance-Bau, der Baldassare Peruzzi (1487-1537) zugeschrieben wird. Gegenüber der Palast Neri-Orselli, der heute das Stadtmuseum beherbergt, dessen Besuch sicht lohnt. Geht man weiter, findet man links die Kapelle des Heiligen Antonius, auch Kapelle der Ritter des Heiligen Stephan genannt. Weiter unten der Palast Benincasa mit der Büste des Gastone die Medici über dem Portal. Dahinter, an einem Platz mit einer weiten Aussicht auf das Land die Kirche San Francesco, früher Santa Margeritha. Rechts die Reste einer Kanzel, von der es heißt, der Heilige Bernhard habe von hier gepredigt. Das einschiffige Innere ist nicht bedeutend.

Um die Stadtbesichtigung zu vervollständigen, sollte man auf jeden Fall zur Kirche Madonna di San Biagio (Sankt Blasius) (8) hinuntergehen. Das Werk von Antonio di Francesco Giamberti, genannt Antonio da Sangallo der Ältere, wurde 1529 von Papst Clemens VII. geweiht. biagioalleeDie Kirche ragt einzeln aus der Landschaft hervor und wurde an Stelle einer Pfarrkirche errichtet, von der die Legende berichtet, dort habe es ein Bildnis der Jungfrau gegeben, das die Augen bewegt habe. Der Grundriß enstpricht dem griechischen Kreuz mit vier Armen gleichen Länge, überwöbt von einer Kuppel. An den Südflügel ist eine runde Sakristei angebaut, an der gegenüberliegenden Seite zwei Türme, von denen einer unvollendet blieb. Die untere Säulenordnung ist dorisch, die obere wird mit einem Giebel abgeschlossen. Die Dekoration der Eingänge und Fenster ist schlicht. Die Kuppel erhebt sich wie eine schlanke und elegante Laterne mit ionischen Elementen. Im Innern die wuchtigen Rundbögen und darüber die Kuppel auf einem Kranz von Fenstern und Nischen, in die von außen das Licht dringt. Der Hauptaltar ist ein Werk von Albertini (1584), die Fresken werden Zuccari zugechrieben. Der Kirche gegenüber liegt das hübsche Pfarrhaus mit Arkaden und Loggia.

Il brano è stato tratto dalla Guida di Chianciano Terme e dintorni autrici le prof.sse S.Orienti - G.Vagaggini Poppi

Übersetzung: Ulrich Rosenbaum