Poliziano

simonetta

DIE NYMPHE, DER MEIN HERZ ENTGEGENEILTE,

erschien mir dort in reinstem Liebesglanze,

so wunderhold beim Tanze,

mir war's als wenn ich schon im Paradiese weilte.


Gedenk ich ihrer, steh ich schon in Flammen,

wie sprech ich von dem Wunder ohnegleichen?

Könnt eine sie erreichen,

sie könnte nicht mit höh'rem Kranz sich kränzen.


Um das beseelte Antlitz hingen lose

die goldnen Haare, die der Stirn entsteigen,

indes im holden Reigen

sie Himmelsschritte leicht im Takt bewegte,


und ob sie wenig nur die Augen regte,

doch traf ein Strahl mich dann und wann verstohlen,

doch neidisch hat verhohlen

des Haares Schleier schnell, was mich entzückte.


Die Nymphe sah's, die erdenwärts Entrückte,

und neigte sich erbarmend meinem Sehnen,

denn den verirrten Strähnen

wies sie mit weißer Hand die rechte Stelle.


Und tausend Liebesgeister, feuerhelle,

ließ sie dem süßen Augenpaar entströmen.

Mich muß es wundernehmen,

daß ich nicht augenblicks zu Asche brannte.