Verkehrswege

Von der Römerzeit bis heute: Entscheidend für die Entwicklung waren die Verkehrswege. 

cassiaDie klassische Römerstraße von Rom nach Norden war die Via Cassia. Sie führte bis Ende des ersten Jahrtausends nach Christi von Chiusi über Arezzo nach Florenz (Karte), hatte aber einen Seitenzweig über Statio ad Novas (Acquaviva) - Mansio Manliana (Torrita di Siena) - Ad Mensulas (Sinalunga) nach Siena. Montepulciano war durch Seitenstraßen verbunden, lag aber eben nicht an einer wichtigen Handels- und Heerstraße. Das hat aber die Entwicklung der Stadt nicht aufhalten können. Die Via Cassia wurde wegen der Versumpfung des Valdichiana nach der ersten Jahrtausendwende ab Bolsena in die Berge über Siena verlegt und wurde zusammen mit der teilweise parallel verlaufenden Via Franchigiena der bedeutendste Pilgerweg in die Heilige Stadt.

Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Eisenbahn die Gegend, und zwar zunächst die Linie Florenz-Siena-Chiusi, heute eine eingleisige Nebenstrecke. Im Tal, bei der Ortschaft Fontago (seit 1925 Montepulciano Scalo und heute Montepulciano Stazione) wurde 1861 der Bahnhof von Montepulciano errichtet. Aber der war mehr als zehn Kilometer mit einem Höhenunterschied von über 300 Metern von der Stadt entfernt. 1916 wurde nach 30jähriger Vorplanung eine Schmalspurbahn hinauf nach MontepulcianoStadt in Betrieb genommen. Der Endpunkt der Gleisanlagen und Umladeplatz zur Hauptstrecke war auf dem großen Platz an der Bahnschranke; der untere Endbahnhof steht heute noc-h: Ein Häuschen an der Straße nach Gracciano, gegenüber dem Sportplatz (Foto). fontagoDie Bahn dampfte weitgehend parallel zur Straße Stazione-Gracciano-Nottola-Montepulciano den Berg hinauf. Endstation war auf dem heutigen Busbahnhof und Wochenmarktplatz in Montepulciano (das Bahnhofsgebäude ist als Kern der Feuerwache noch zu erkennen). Weil die neuen Omnibusse bequemer waren und schließlich die Lok entgleiste und schweren Schaden nahm, wurde der Personenverkehr schon nach neun Jahren eingestellt, 1935 wurden Gleise, Grundstücke, Loks und Waggons verkauft. Eine schmale Brücke neben der Hauptbrücke unterhalb der Altstadt, die heute als Einbahnstraße von Autos genutzt wird, erinnert an die einstige die Schmalspurbahn, die hier entlang fuhr.

Eine neue Ära begann in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit dem Bau der "Autostrada del Sole" (Mailand-Rom), die durch das Valdichiana geführt wurde und dort einen Aufschwung im Bereich mittelständischen Gewerbes entfachte. Montepulciano war nun wesentlich einfacher zu erreichen, obwohl es keine direkte Abfahrt gab. Die soll nun irgendwann bei der Ortschaft Salcheto (Acquaviva) samt einer neuen Verbindungsstraße entstehen, damit das neue Zentralkrankenhaus in Montepulciano-Nottola, das für das gesamte Valdichiana von San Casciano dei Bagni bis Sinalunga zuständig ist, schneller erreichbar ist.

Und das Eisenbahnnetz? Durch die Ausdünnung des Verkehrs auf der alten, eingleisigen Zentraltoskanischen Eisenbahn mit Halt in Montepulciano Stazione hat es leider weiter an Bedeutung verloren. Zugleich aber hat die Nähe des Knotenpunkts Chiusi-Chianciano Terme an der Hochgeschwindigkeitsstrecke Florenz-Rom Montepulciano indirekt noch näher an das europäische Netz gebracht.